Bewusster Umgang mit dem Smartphone

"Zeit hat man nur, wenn man sie sich nimmt" Karl Heinrich Waggerl

Wenn wir nach Gründen für unseren zunehmenden täglichen Stress suchen, kommen wir um das Thema Smartphone und die Nutzung moderner Medien nicht herum. 2017 haben Personen über 14 Jahre in Deutschland täglich knapp vier Stunden täglich fern gesehen. Hinzu kommen werktags noch mehr als drei Stunden Radio und zweieinhalb Stunden Internet.

Das Smartphone: Unser unverzichtbarer Begleiter

Das Smartphone ist für die meisten von uns zum unverzichtbaren Begleiter geworden. Wir greifen im Schnitt alle paar Minuten zum Smartphone. Ich habe aktuelle Studien von 88 bis zu 214 Griffen zum Smartphone pro Tag gefunden. Diese große Spannbreite der Nutzung finden wir auch in unserem Umfeld. Vielnutzer kommen locker auf über drei Stunden Handygebrauch pro Tag. Aber warum ist das Handy so reizvoll für uns? 

Kaum ein anderes Medium kann unsere individuellen Wünsche und Bedürfnisse so schnell und vielfältig befriedigen, wie das Smartphone oder das Internet. Fast alles ist mit dem Smartphone heute schon möglich: Kommunizieren, verabreden, informieren, fotografieren, shoppen, banking, streamen und Filme schauen, Musik hören, spielen oder Social Media. Die Liste der Möglichkeiten wird täglich länger.

Bei der Nutzung werden biochemische Prozesse ausgelöst und Glückshormone wie Dopamin und Serotonin ausgeschüttet. Wir fühlen uns wohl. Und wir wollen immer mehr davon. Wartezeiten werden zu Smartphone-Zeiten. 

Allerdings ist das Nichts tun oder mal die Seele baumeln lassen extrem wichtig für den Menschen. Sie sind Voraussetzung für Kreativität und neue Motivation. Die wichtigsten Erfindungen sind nicht in emsiger Betriebsamkeit, sondern in Ruhezeiten entstanden.

Wir benötigen neben Phasen der Aktivität auch regelmäßige Phasen der Erholung und Entspannung. Diese Phasen fallen leider sehr häufig dem Smartphone zum Opfer. 

Das Smartphone beeinflusst unsere Arbeitsqualität

„Je häufiger wir auf das Smartphone schauen, desto unproduktiver werden wir“ sagt Professor Montag von der Universiät Ulm. Er hat mit seinem Team rund 100.000 Apps ausgewertet, die die tägliche Nutzung der Smartphones aufzeichnen.

Wir schauen viele Male in der Stunde auf unser Smartphone und teilen so unsere verfügbare Zeit in viele kleine Abschnitte. Wirklich produktives Arbeiten an einer großen Aufgabe ist so kaum möglich, da wir immer wieder gedanklich herausgerissen werden. Konzentration und auch Kreativität leiden massiv.

Nach jeder Störung braucht das Gehirn einige Minuten, um die Konzentration auf die Sache wieder herzustellen. In dieser Zeit haben viele Nutzer schon längst ein weiteres Mal auf ihr Handy geschaut. 

Die Studien zeigen ferner, je näher wir das Smartphone bei uns ist, desto abgelenkter sind wir. Im drei Untersuchungen wurde das Handy einmal offen neben sich auf dem Tisch platziert, einmal in der Tasche neben sich aufbewahrt und zuletzt ganz aus dem Raum entfernt.

Ergebnis:: Je näher das Handy bei uns ist, desto größer ist die Bereitschaft, regelmäßig drauf zu schauen. Klingt logisch, allerdings mit nachhaltigen Konsequenzen für unseren Stresslevel. Wichtige regenerative Ruhepausen und Selbstreflexion fallen weg. 

Selbstmanagement ist gefragt

Ich empfehle einen bewussten Umgang mit dem Smartphone und den modernen Medien und diese individuell auf ein gesundes Maß zu reduzieren.  Zeitmesser Apps wie Menthal oder Moment messen Ihre individuelle Nutzung und können Sie bei dieser Aufgabe unterstützen. Nachfolgend finden Sie Tipps, die Ihnen bei Selbstmanagement helfen können.

Als Ausgleich zu Online-Zeiten empfehle ich regelmäßige Offline-Zeiten. In der Mittagspause und ab einer bestimmten Zeit in den Abendstunden. Das Schlafzimmer möglichst als reinen Ruheraum nutzen. Ohne elektronische Strahlung oder störende Lichtquellen. Diese beeinflussen die Produktion des Ruhe- und Erholungshormons Melatonin, welches maßgeblich für einen gesunden Schlaf und die Aktivierung der biologischen Selbstheilungskräfte während der Nacht verantwortlich ist.

  

Sechs Tipps für einen bewussten Umgang mit dem Smartphone

  1. Kaufen Sie sich einen Wecker und lassen Sie das Handy aus Bad und Schlafzimmer
  2. Starten Sie offline in den Tag: vom Aufstehen, über das Bad bis zum Frühstück
  3. Eine Stunde vor dem Schlafengehen kein Handy und Internet für besseres Einschlafen
  4. Richten Sie regelmäßige Offline-Zeiten ein: abends, unterwegs oder im Urlaub
  5. Checken Sie Nachrichten und E-Mails nur zu individuell festgelegten Zeiten
  6. Legen Sie das Handy auch mal ganz weg oder machen es aus.

 

Finden Sie Ihre individuell optimale Nutzung des Smartphones. Es hilft in der Regel, sich einmal bewusst mit dem Thema zu beschäftigen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!