Ich sage jetzt nein!

„Die Fähigkeit, das Wort "nein" auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit“
Nicolas Chamfort

Sich besser abzugrenzen, entschiedener zu leben - leichter Ja oder auch Nein sagen zu können - ist erlernbar. Es ist Trainingssache! Und nicht für Jeden eine leichte. Als Zutaten dazu gehören Eigenverantwortung, Selbstakzeptanz und eine Portion Mut. 

Entscheidungen bedeuten immer auch Entbehrungen. Wenn wir keine Grenzen ziehen, zahlen wir einen hohen Preis. Dann ziehen nämlich Andere die Grenzen für uns. Ich habe viele Menschen getroffen, die es Anderen lange Zeit recht gemacht haben, ohne jemals auf die eigenen Kräfte und Bedürfnisse zu schauen.

NEIN sagen können ist ein wichtiger Selbstschutz. Wenn Du es Anderen recht machst, achte darauf, dass Du dich selbst nicht vergisst.

 

Die Sorgen vor dem nein

Menschen scheuen das "nein" wegen der erwarteten Folgen. Von anderen abgelehnt zu werden oder etwas zu verlieren. Den Job, den Partner oder eine Freundschaft. 

Als Kind haben Viele von uns schmerzlich erfahren, was es bedeutet, gegenüber den Eltern selbstbewusst und ungehorsam nein zu sagen. Viele haben nur Anerkennung und Wertschätzung erfahren, wenn sie ein braves und angepasstes Kind waren, das den Forderungen der Eltern nachgab.

In der Folge tun sie sich als Erwachsener immer noch schwer, Grenzen zu setzen. Doch dieser Schritt ist wichtig. Nein zu sagen schützt uns dauerhaft davor, uns zu überfordern oder von Anderen ausgenutzt zu werden. 

Natürlich bedeutet der Hinweis auf eine gesunde Abgrenzung nicht, dass wir jetzt alles ablehnen sollen, was an uns herangetragen wird. Es geht um einen bewussteren Umgang mit unseren Entscheidungen - im Einklang mit unseren Interessen und den Interessen unserer Mitmenschen.

 

Die Gedanken vor dem nein

  • Der Andere lehnt mich ab! Ich möchte mir seine Sympathie erhalten.
  • Der Andere hält mich für unfreundlich, herzlos und egoistisch.
  • Mein schlechtes Gewissen plagt mich. Ich sollte der Bitte nachkommen.
  • Der Andere wird enttäuscht, verärgert und verletzt sein. Und ich bin schuld.
  • Ich lasse den anderen im Stich. Mit diesem Schuldgefühl komme ich nicht klar.
  • So wichtig bin ich auch nicht. Ich ordne mich lieber unter und wahre den Frieden.
  • Wenn ich meine Wünsche klar äußere, dann verliere ich den Menschen / den Job.

 

Du wirst überrascht sein, dass der Andere die Absage häufig gar nicht so negativ aufnimmt, wie befürchtet. In den meisten Fällen führt ein "nein" dazu, dass die Achtung des Gegenübers Dir gegenüber ansteigt. Ja-Sager stehen nicht hoch im Kurs. Eine gesunde Selbstachtung führt dagegen zu mehr Respekt. Und wer sich dennoch von Dir abwendet, hat sicherlich schon viel zu lange auf Deine Kosten gelebt.

Bedenke, Du bist nicht egoistisch oder falsch, wenn Du in Einklang mit Deinen natürlichen Bedürfnissen stehst. Es ist Dein Recht, Dich für Deine Wünsche und Bedürfnisse einzusetzen. Denn Deine Ressourcen, Zeit und Energie sind begrenzt.

Nimm das Heft in die Hand und entscheide selbst, wofür Du Zeit und Energie einsetzt. Auf unserem täglichen Weg laueren viele Zeit- und Energieräuber, denen wir unsere wertvolle Zeit schenken können. 

 

10 Tipps für eine gesunde Abgrenzung

  1. Unterstreiche Dein "nein" mit eindeutiger Körpersprache und fester Stimme. Trete selbstbewusst auf und übe vorher gerne vor dem Spiegel.

  2. Beginne Dein persönliches Training mit Entscheidungen ohne große Tragweite. Zum Beispiel am Wochenende: "Nein, ich komme heute Abend nicht mit in die Kneipe! Ich bleibe zu hause und erhole mich von der anstrengenden Woche."

  3. Der Lernprozess wird meistens von Schuldgedanken und mulmigen Gefühlen begleitet. Wir haben schließlich jahrelang anders gehandelt. Sei Dir dessen einfach bewusst und zeige Verständnis für Deine Reaktionen.

  4. Nein sagen bedeutet: eindeutig und zum richtigen Zeitpunkt. Vermeide lange Erklärungen und Rechtfertigungen. Das schwächt nur Deine Position.

  5. Lerne, dass Deine wahre Stärke von innen kommt. Mache Dich unabhängiger von der Anerkennung und dem Applaus der Anderen. Auch wenn es schwer fällt.

  6. Wer in Entscheidungssituationen Unruhe verspürt, sollte sich Zeit für seine Entscheidung verschaffen und erst einmal tief durchatmen. Ein innerlich erstarrter Mensch ist kaum in der Lage, selbstbewusst für sich einzustehen. 

  7. Übe Dich darin, zu Deinen Entscheidungen zu stehen! Ohne auf die Meinung der Anderen zu schauen. Das verschafft Dir innere Festigkeit und Stabilität.

  8. Ob Du Dich entscheidest oder nicht - beides hat Konsequenzen. Wer nicht selbst für sich entscheidet, für den wird entschieden.

  9. Lerne mutig Entscheidungen zu treffen und zögere diese nicht zu lang hinaus!

  10. Langfristig machen uns in der Regel nicht unsere Fehlentscheidungen unglücklich, sondern unsere verpassten Chancen im Leben. Mach Dir Deine Ziele klar, dann fallen Dir Entscheidungen leichter.

 

Gerade für Menschen, die andere gerne unterstützen und Harmonie im Team lieben, ist die Abgrenzung über ein Nein eine sehr große Herausforderung. Doch in fordernden Zeiten mit Burnout und Überforderung ist es zunehmend wichtig, zu seinen Rechten, Wünschen und Bedürfnissen zu stehen. Sich auf eine gesunde Art abzugrenzen.

Denke daran, Deine verfügbare Zeit und Energie sind wertvolle und knappe Güter, die es sorgfältig einzuteilen gilt.