Die Kunst, NEIN zu sagen

„Die Fähigkeit, das Wort Nein auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit“
Nicolas Chamfort

 

Sich besser abzugrenzen, entschiedener zu leben - leichter Ja oder auch Nein sagen zu können - ist erlernbar. Es ist Trainingssache! Und nicht für Jeden eine leichte. Als Zutaten dazu gehören Eigenverantwortung, Selbstakzeptanz und eine Portion Mut. 

Entscheidungen bedeuten immer auch Entbehrungen. Wenn wir keine Grenzen ziehen, zahlen wir einen hohen Preis. Dann ziehen nämlich Andere die Grenzen für uns. Ich habe viele Menschen getroffen, die es Anderen lange Zeit recht gemacht haben, ohne jemals auf die eigenen Kräfte und Bedürfnisse zu schauen.

NEIN sagen können ist ein wichtiger Selbstschutz. Wenn Du es Anderen recht machst, achte darauf, dass Du dich selbst nicht vergisst.

 

Die Sorgen vor dem NEIN

Menschen scheuen das NEIN wegen der erwarteten Folgen. Von anderen abgelehnt zu werden oder etwas zu verlieren. Den Job, den Partner oder eine Freundschaft. 

Als Kind haben Viele von uns schmerzlich erfahren, was es bedeutet, gegenüber den Eltern selbstbewusst und ungehorsam NEIN zu sagen. Viele haben nur Anerkennung und Wertschätzung erfahren, wenn sie ein braves und angepasstes Kind waren, das den Forderungen der Eltern nachgab.

In der Folge tun sie sich als Erwachsener immer noch schwer, Grenzen zu setzen. Doch dieser Schritt ist wichtig. NEIN zu sagen schützt uns dauerhaft davor, uns zu überfordern oder von Anderen ausgenutzt zu werden. 

Natürlich bedeutet der Hinweis auf eine gesunde Abgrenzung nicht, dass wir jetzt alles ablehnen sollen, was an uns herangetragen wird. Es geht um einen bewussteren Umgang mit unseren Entscheidungen - im Einklang mit unseren Interessen und den Interessen unserer Mitmenschen.

 

Die Gedanken vor dem NEIN

  • Der Andere lehnt mich ab! Ich möchte mir seine Sympathie erhalten.
  • Der Andere hält mich für unfreundlich, herzlos und egoistisch.
  • Mein schlechtes Gewissen plagt mich. Ich sollte der Bitte nachkommen.
  • Der Andere wird enttäuscht, verärgert und verletzt sein. Und ich bin schuld.
  • Ich lasse den anderen im Stich. Mit diesem Schuldgefühl komme ich nicht klar.
  • So wichtig bin ich auch nicht. Ich ordne mich lieber unter und wahre den Frieden.
  • Wenn ich meine Wünsche klar äußere, dann verliere ich den Menschen / den Job.

 

Du wirst überrascht sein, dass der Andere die Absage häufig gar nicht so negativ aufnimmt, wie befürchtet. In den meisten Fällen führt ein NEIN dazu, dass die Achtung des Gegenübers Dir gegenüber ansteigt. Ja-Sager stehen nicht hoch im Kurs. Eine gesunde Selbstachtung führt dagegen zu mehr Respekt. Und wer sich dennoch von Dir abwendet, hat sicherlich schon viel zu lange auf Deine Kosten gelebt.

Bedenke, Du bist nicht egoistisch oder falsch, wenn Du in Einklang mit Deinen natürlichen Bedürfnissen stehst. Es ist Dein Recht, Dich für Deine Wünsche und Bedürfnisse einzusetzen. Denn Deine Ressourcen, Zeit und Energie sind begrenzt.

Übernehme Verantwortung und entscheide selbst, wofür Du Zeit und Energie einsetzt. Auf unserem täglichen Weg laueren viele Zeit- und Energieräuber, denen wir unsere wertvolle Zeit schenken können. 

 

Acht Tipps für mehr Entschiedenheit und eine bessere Abgrenzung

  1. Unterstreiche Dein NEIN mit eindeutiger Körpersprache und fester Stimme. Trete selbstbewusst auf und übe vorher gerne vor dem Spiegel.
  2. Beginne Dein persönliches Training mit Entscheidungen ohne große Tragweite. Zum Beispiel am Wochenende: "Nein, ich komme heute Abend nicht mit in die Kneipe! Ich bleibe zu hause und erhole mich von der anstrengenden Woche."
  3. Der Lernprozess wird meistens von Schuldgedanken und mulmigen Gefühlen begleitet. Wir haben schließlich jahrelang anders gehandelt. Sei Dir dessen einfach bewusst und zeige Verständnis für Deine Reaktionen.
  4. NEIN sagen bedeutet: eindeutig und zum richtigen Zeitpunkt. Vermeide lange Erklärungen und Rechtfertigungen. Das schwächt nur Deine Position.
  5. Lerne, dass Deine wahre Stärke von innen kommt. Mache Dich unabhängiger von der Anerkennung und dem Applaus der Anderen. Auch wenn es schwer fällt.
  6. Wer in Entscheidungssituationen Unruhe verspürt, sollte sich Zeit für seine Entscheidung verschaffen und erst einmal tief durchatmen. Ein innerlich erstarrter Mensch ist kaum in der Lage, selbstbewusst für sich einzustehen. 
  7. Es ist erlaubt, nach Entscheidungen zu sich zu stehen und einen Rückzieher zu machen. „Es tut mir leid, ich muss meine Zusage leider zurücknehmen.“
  8. Übe Dich allerdings auch darin, zu Deinen Entscheidungen zu stehen! Ohne ein halboffenes Hintertürchen. Das verschafft Dir innere Festigkeit und Stabilität.

 

Gerade für Menschen, die andere gerne unterstützen und Harmonie im Team lieben, ist die Abgrenzung über ein NEIN eine sehr große Herausforderung. Doch in fordernden Zeiten mit Burnout und Überforderung ist es zunehmend wichtig, zu seinen Rechten, Wünschen und Bedürfnissen zu stehen. Hier gilt es, sich auf eine gesunde Art abzugrenzen. Denke daran, Deine verfügbare Zeit und Energie sind wertvolle und knappe Güter, die es sorgfältig einzuteilen gilt.

 

 

Burnout und Psyche: Daten & Fakten


Jährlich werden aktuell durch Burnout, Depression und andere psychische Krankheiten weit über 60 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage registriert. Das bedeutet einen Anstieg um mehr als 80 Prozent seit dem Jahr 2000. Psychische Erkrankungen gehören nicht nur zu den häufigsten Erkrankungen, ihre Behandlung ist zudem eine der teuersten. Mittlerweile stellen sie den Nr.1 Grund für Arbeits- und Berufsunfähigkeit dar.

Über 13 Millionen Arbeitnehmer sind nach Schätzungen der Krankenkassen von Burnout betroffen. Interessant für jeden Arbeitgeber: Ein Burnout verursacht nach Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich im Durchschnitt über 30 Krankheitstage. Die dadurch entstehenden Produktions- und Dienstleistungsausfalle in Deutschland beziffern Experten auf über 70 Milliarden Euro.

Jeder dritte Arbeitnehmer arbeitet an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Und bereits jeder fünfte Berufstätige leidet unter den gesundheitlichen Folgen von Stress mit seinen unterschiedlichen Symptomen.  

Über 40 Prozent aller Neurentner gehen nicht aus Altersgründen, sondern wegen verminderter Erwerbsfähigkeit durch psychische Störungen in Ruhestand. Psychische Belastungen sind damit inzwischen Ursache Nummer eins für Frühverrentungen. Das Durchschnittsalter liegt dabei unter 50 Jahre. 


Welche Berufsgruppen sind besonders gefährdet?

Engagierte Manager und Führungskräften mit hoher Personal- und Zielverantwortung gehören nach wie vor zum stark gefährdeten Kreis. Die Anforderungen an diese Entscheidungsträger sind in den letzten Jahren sogar noch weiter angestiegen. Allgemein lassen sich Arbeitnehmer mit dauerhaft hohen Leistungsanforderungen und längeren Zeiten der Überforderung überdurchschnittlich häufig krankschreiben.

Gefährdete Berufsgruppen sind Ärzte, Kranken- und Altenpfleger, Rettungssanitäter und Geburtshelfer, da diese im täglichen Berufsalltag mit zwischenmenschlichen Extremfällen umgehen müssen. Hier ist es besonders wichtig, sich nach Feierabend vom Tagesgeschehen abzugrenzen und die Batterien für den nächsten Tag wieder aufzuladen. Zu dieser Gruppe gehören ebenso Erzieher, Lehrer und Sozialarbeiter.

Auch Berufsgruppen mit extremen zeitlichen Anforderungen, wie sie bspw. in der Gastronomie vorkommen können, sind gefährdet. Hinzu kommt gerade bei Frauen häufig eine Doppelbelastung aus Beruf und Familie.


Nicht der kurzfristige Stress ist entscheidend

Burnout wird durch dauerhafte Belastungs- und Stresssituationen ausgelöst. Der Berg an Arbeit kann oftmals nicht mehr abgearbeitet werden und es entsteht ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Ein Durchatmen nach erfolgreicher Tätigkeit scheint nicht mehr in Sicht. Erste Symptome auf dem Weg zum Burnout sind stark wechselnde Stimmungen, zunehmende Gereiztheit, eine zunehmende Unzufriedenheit und eine schwere dauerhafte Müdigkeit, die auch nach einem Nachtschlaf nicht verschwindet.

Wer jetzt nicht reagiert, für den reagiert unser Körper mit körperlichen und psychischen Symptomen, die bei Nichtbeachten letztendlich im Burnout münden können. 

Leider reagieren die meisten Menschen erst, wenn es bereits zu spät ist. Die eigene Gewissenhaftigkeit und auch Existenzängste treiben uns immer weiter an. Lassen Sie es nicht soweit kommen und reagieren Sie rechtzeitig! Denn ohne eine gesunde Leistungsfähigkeit ist auch keine große Leistung möglich. Unter den Folgen leidet die Gesundheit, das eigene Umfeld und die Lebensfreude bleibt auf der Strecke. Eine gesunde und erfolgreiche Work-Life-Balance ist daher immer eine Win-win-Lösung!

Quellen: TK Gesundheitsreport & KKH-Allianz / WHO & Stressreport Deutschland / EMNID / Deutscher Managerverband DMV

 

 

Acht Akuttipps bei Überforderung

Wenn wir im Trubel des Alltags oder bei akutem Job- oder familiären Stress an unsere psychischen und physischen Grenzen geraten, meldet sich unser Körper mit Signalen. Der Kopf fühlt sich an wie ein überlastetes Knäuel, wir können uns nicht mehr richtig konzentrieren, reagieren mit Angst und Panik. Der Kreislauf spielt verrückt, uns wird heiß und kalt, wir haben Magenprobleme oder sind dauerhaft angespannt. Betroffene können zu Frustessern werden, während anderen gänzlich der Appetit vergeht.

Die Gedanken über sich selbst und andere Menschen werden negativer und kritischer. Wenn dann noch Traurigkeit und das Gefühl der Hilflosigkeit hinzukommt, steuern wir geradewegs in eine Depression. Am Ende fühlen uns nur noch leer und ausgebrannt. 

An den eigenen Grenzen angekommen, heißt es nur noch eins: Jetzt handeln!

Hier erhältst Du acht Akuttipps, die Deine Situation kurzfristig stabilisieren.

 

1. Nimm Dir eine Auszeit

Es hilft nichts, jetzt in dem vorangegangen Tempo weiter zu machen. Dies würde Dich nur in eine noch gefährlichere Situation bringen. Fahre runter und kümmere Dich jetzt an erster Stelle um Deine Gesundheit. Wenn kein Urlaub möglich ist, gestalte Deinen Feierabend neu!

2. Akzeptiere Deine Situation! Nimm Sie an!

Kritisiere Dich nicht für die Handlungen, die Dich in diese Situation gebracht haben. Verurteile Dich in dieser schwierigen Lage nicht noch zusätzlich. Das macht die Umstände bestimmt nicht besser. Wehre Dich innerlich nicht gegen die negativen Gefühle, sondern gestehe Dir ein: "Ja, mir geht es nicht gut! Das war zu viel!"

3. Sei rücksichtsvoll, liebevoll und verständnisvoll mit Dir

Behandele Dich so, wie Du jetzt mit einem guten Freund oder einem kleinen Kind umgehen würdest. Fahre runter und spüre in Dich hinein. Welche Maßnahmen uns jetzt helfen können, wissen wir selbst intuitiv am besten. 

3. Konzentriere Dich auf das Wesentliche!

Frage Dich: Welche Aufgabe ist jetzt die Wichtigste? Dann konzentriere Dich auf diese Aufgabe und lasse die anderen Dinge ruhen. Häufig verzetteln wir uns in Multitasking. Weniger ist jetzt mehr! Fahre in dieser Zeit auch Medien und Handy bewusst herunter.

4. Schlaf regeneriert

Ausgebrannte Menschen müssen häufig ein großes Schlafdefizit kompensieren. Schlaf regeneriert unseren Körper und unseren Geist! Wenn Du jetzt öfter müde bist, häufiger Pausen benötigst oder einfach länger schlafen möchtest, kannst Du diesem Bedürfnis mit gutem Gewissen folgen.

5. Trinke mehr als sonst

Die allgemeine Empfehlung der Gesundheitsexperten lautet: Trinke 1,5 bis 2,5 Liter. In Phasen der Überforderung sollten wir allerdings täglich 2,5 bis 4 Liter trinken, um wieder zu einem klaren Kopf zu gelangen. Trinke dabei vorrangig Wasser, ungesüßten Tee, Schorle oder abends ein alkoholfreies Bier. Natürlich zählt auch die Flüssigkeit in Lebensmitteln, wie Melonen, Gurken oder Suppen.

6. Gehe in die Natur

Gehe in gestressten Phasen täglich raus in die Natur! Täglich eine Stunde ist ok, besser ist allerdings ein Aufenthalt von 2 Stunden und mehr, wenn es sich einrichten lässt. Mache dabei entspannte Spaziergänge, setze Dich auf's Fahrrad oder gehe im See schwimmen. Setze Dich auf eine Bank und lasse Deinen Blick in die Ferne schweifen. Je direkter der körperliche und sinnliche Kontakt mit der Natur ist, desto effektiver ist er!

7. Suche das Gespräch

Es erleichtert enorm, sich in überforderten Situationen den Frust und die Sorgen von der Seele zu reden. Rufe einen Vertrauensmenschen an oder treffe Dich mit Deinem besten Freund oder Freundin. Natürlich ist auch psychologische Unterstützung durch einen Profi empfehlenswert. Suche Dir mentale Unterstützung oder hole Dir Tipps für Deine Situation. Eine Außensicht auf Deine Lage kann wertvolle Erkenntnisse bringen. 

8. Entspanne Dich

Nutze Deine persönlichen Entspannungsquellen! Neben dem Aufenthalt in der Natur kann es ein Saunabesuch sein, eine Massage oder einfach ein Entspannungsbad, Eine Meditation oder Yoga. Deine Lieblingsmusik oder ein Lieblingshobby. Konzentriere Dich regelmäßig auf Deinen Atem! Atme tief in den Bauch ein und finde Deine innere Mitte.

 

Ich wünsche allen Betroffenen eine schnelle und erfolgreiche Regeneration! Achten Sie zukünftig auf ein gesundes Maß an Belastung und versuchen Sie, bereits bei ersten Anzeichen wieder in einen ausgeglichenen Zustand zurückzufinden. 

 

 

 

Der Weg zur gesunden Abgrenzung

 

Dies ist die wahre Geschichte einer Frau zu einer erfolgreichen Abgrenzung


Wenn ich an frühere Zeiten denke, muss ich mir eingestehen, dass ich mich nicht auf eine gesunde und natürliche Art nach außen abgrenzen konnte. So war ich jahrelang in einem überlasteten und gestressten Zustand. Ich hatte das Gefühl, ich müsse jeder Bitte von anderen Menschen gerecht werden.

Zusätzlich bot ich mich auch für Wunscherfüllungen an, die ich bei anderen zu erraten glaubte. Da musste eine ferne Bekannte nur stöhnen: „Nächsten Samstag ist doch mein Umzugstag. Kannst Du mir nicht beim Packen helfen?" Reflexartig sagte ich: "Natürlich, ich helfe dir gerne!"

Anstatt mich von der Woche zu erholen, packte ich dann müde und schwitzend fremde Sachen in riesige Kartons, putzte schmutzige Badewannen und kochte Spaghetti für das gesamte Umzugsteam. Nicht, dass an Hilfsbereitschaft etwas falsch ist, aber sie kam nicht immer von Herzen! Ich erfüllte lediglich die Erwartung anderer und glaubte, ich würde ihre Liebe verlieren, wenn ich nicht zu ihren Diensten stünde.



Hin zu mehr Entschiedenheit und erfolgreicher Abgrenzung

Im Lernprozess zu mehr Entschiedenheit und besserer Abgrenzungsfähigkeit kam dann der Punkt, an dem ich endlich auch mal „Nein“ zu sagen konnte. In meinem Innern herrschte dabei eine emotionale Mischung aus Verlustangst und Gedanken an einen gesunden Selbstschutz.

Später fiel ich vom ewigen JA Sager ins andere Extrem und blockte fast alles ab, was an mich heran getragen wurde. Gleichzeitig lieferte ich lange Erklärungen und Rechtfertigungen: „Ich würde ja gerne helfen, aber aus dem und dem Grund geht es leider nicht.“ Anschließend war ich wütend auf mich selbst, dass ich nicht einfach kurz und entspannt sagen konnte: "Sorry, das geht heute leider nicht."

Innere Zufriedenheit stellt sich ein

Mittlerweile bin ich ganz zufrieden mit meiner Fähigkeit zur persönlichen Abgrenzung. Meistens bleibe ich in kritischen Situationen innerlich und äußerlich ruhig. Fühle ich mich jedoch überfordert, falle ich wieder in meine alten Verhaltensmuster zurück. Dabei schlagen die Gemütswellen gegenüber früher in mir weniger hoch. Ich finde schneller zurück zu innerer Ruhe, zu meiner inneren Mitte.

Konkret sieht das so aus: Jemand aus meinem Bekanntenkreis möchte, dass ich ihm oder ihr helfe. Dabei spüre ich intuitiv die unausgesprochene Bitte: "Ich wäre sehr enttäuscht, wenn Du nicht kommen würdest".

Ich beginne, innerlich zu rotieren und merke, wie alte Gedanken wieder hochkommen. Dieses gefühlte Drama kann ich in vielen Fällen noch nicht auf Knopfdruck abschalten. Es ist immer noch wie ein Wirbelsturm in mir.
 In solchen Momenten halte ich inne und atme erst einmal tief durch. Ich gebe mir die Chance, diese innere Welle abebben zu lassen, bis ein Zustand der Ruhe und Erleichterung einkehrt.

Ich sage mir selbst: „Ich MUSS ja nicht! Niemand kann mich zwingen zu helfen. Es liegt ganz bei mir. Ich entscheide mich erst, wenn ich innerlich zur Ruhe gekommen bin. Dann spüre ich meine souveräne Entscheidungsfähigkeit. Das, was ich wirklich will! Manchmal bitte ich auch um etwas Zeit für meine Antwort. Ich sage: „Ich schaue später in meinen Kalender und sage Dir bescheid.“

Wichtige Kriterien sind dabei sicherlich der Grad der Freundschaft und der Blick auf eine gesunde Balance aus Geben und Nehmen. Meine Entscheidung wird zu einer echten Herzensentscheidung!

Die Kunst, sich frei zu entscheiden

Eine wichtige Erkenntnis in meinem Lernprozess war: Die Unfähigkeit, mich frei zu entscheiden und mich selbst zu schützen hatte nichts mit den Menschen zu tun, die etwas von mir wollten. Es waren meine alten Denkmuster, die sich mein gesamtes Leben durchgezogen haben. Ich zog die Situationen beinahe magisch an, denn andere hatten mich schnell durchschaut. Erst Krankheit und Burnout haben mich dazu gebracht, einen Schlussstrich zu ziehen.

Ob es in Zukunft noch einfacher wird? Ich weiß es nicht! Aber ich bin sehr zufrieden mit dem, das ich inzwischen erreicht habe. Ich habe gelernt NEIN zu sagen und dabei innerlich gelassen zu bleiben. Heute bin ich immer noch ein hilfsbereiter Mensch, erkenne allerdings meine Grenzen und schütze mich im richtigen Augenblick selbst.

Zu meinem anfänglichen Erstaunen habe ich die Liebe und Wertschätzung meiner wichtigsten Mitmenschen zu keinem Zeitpunkt verloren. Auch wenn sie zuerst von meiner Reaktion - meinem NEIN - überrascht waren. Und zugegeben, ein paar Menschen habe ich mittlerweile aus den Augen verloren. Diese waren lediglich an meiner selbstlosen Unterstützung interessiert und weniger an mir als Mensch. Diese Kontakte vermisse ich heute nicht mehr.

Ich habe zu einem besseren Selbstwertgefühl gefunden. Und anstelle einer selbstlosen Aufopferung ist ein respektvolles Miteinander auf Augenhöhe getreten. Ende

 

Das Erlernen einer besseren Entschiedenheit und Abrenzung geht nur in Minischritten, mit Zeit und Geduld. Dafür allerdings umso erfolgreicher. Es lohnt sich! 

 

 

 

Gesunde Nervennahrung

 

Wie das Sprichwort schon sagt, schlägt sich chronischer Stress bei so Manchem auf den Magen und blockiert eine gesunde Verdauung. Die wichtigen Nährstoffe aus der Nahrung werden vom Körper nicht mehr optimal aufgenommen. Mangelerscheinungen sind die Folge und schwächen unser Immunsystem.

Stress gilt zudem als gefürchteter Vitaminkiller. Selbst kurze Anspannung erhöht den Vitaminbedarf unseres Körpers. Damit unser Immunsystem reibungslos funktionieren kann, raten Experten, den Speicher rasch wieder aufzufüllen. Gerade an stressigen Tagen hat unser Körper einen erhöhten Nährstoffbedarf an den lebenswichtigen Vitaminen B, C und E sowie den antistress Mineralstoffen Magnesium, Kalium, Selen, Eisen, Kupfer, Mangan und Zink. Diese Stoffe stärken unser Nervensystem und schützen uns wirksam vor erhöhter Reizbarkeit, Müdigkeit und Antriebsschwäche.

 

Heißhungerattacken in stressigen Situationen 

Wer in Stressmomenten häufig zu Süßem greift, bei dem schnellt der Blutzuckerspiegel in die Höhe. Dies führt im Gehirn zu einem kurzzeitigen Energieanstieg, der rasch wieder in sich zusammenfällt. Müdigkeit und weitere Heißhungerattacken nach mehr Süßem sind die Folge. Auch Traubenzucker hat denselben Effekt: Er gibt uns lediglich einen kurzzeitigen Kick, der rund zwanzig Minuten anhält.

Ersetze diese sogenannten Einfachzucker durch gesunde Kohlenhydrate. Diese befinden sich in Vollkornprodukten, Haferflocken, (Süß-)Kartoffeln, Hülsenfrüchten und zahlreichen Obst- und Gemüsesorten. Diese Produkte werden zuerst in der Verdauung aufgespalten und gewährleisten so eine konstante Energiezufuhr für Körper und Geist. Konzentration und Leistungsvermögen bleiben auf hohem Niveau.

 

Weitere gesunde Energielieferanten für unser Gehirn

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren bringen nicht nur Power, sie wirken sich auch günstig auf unsere Gehirnfunktionen aus. Omega-3-Fettsäuren sind lebenswichtige Bausteine für unsere Nervenzellen, die der Körper nicht alleine produzieren kann. Die Zufuhr über unsere Nahrung ist daher unerlässlich. Omega-3-Fettsäuren finden wir in fettreichen Fischen, wie Lachs, Hering, Makrele, Sardellen, Sardinen oder Thunfisch. Ferner in Raps- und Walnussöl und in besonders hoher Konzentration in Leinöl. Auch Walnüsse enthalten diesen gesunden Energieträger und sind daher als Snack eine gute Wahl.

 

Nervennahrung hilft bei Stress, Lernen und hoher Leistungsanforderung

Avocado

Die Avocado ist ein Wundermittel gegen Stress. Sie liefert unserem Gehirn Energie und bringt uns auf gedankliche Höchstleistung. Vitamin B1, Magnesium und Kalium tragen zu einer Steigerung der Konzentration und zur Stabilisierung des Nervensystems bei.

Kakao

Kakao ist gerade in dunklen Wintermonaten als Glücksspender bekannt. Kakao macht nicht nur glücklich, es beruhigt und senkt die Produktion des Stresshormons Cortisol. Der Eiweißbaustein Tryptophan wirkt zudem ausgleichend in stressigen Situationen.  

Paprika

Paprika enthält rund doppelt so viel Vitamin C wie Zitronen. Insbesondere roter Paprika liefert sehr viel gesundes Karotin, Kalium, Kalcium, Phosphor, Magnesium und Eisen. Eine wirkungsvolle Kombination zur Bekämpfung aufkommender Müdigkeit.

Spinat

Schon die Comicfigur Popeye profitierte von diesem grünen Kraftspender :-) Dank des hohen Anteils an Magnesium, Kalzium und Kalium ist es ein echtes Abwehrbollwerk für unser Nervensystem. Zubereitungstipp: Frischen Spinat kurz dünsten statt zu kochen. So bleiben besonders viele Nährstoff erhalten.

Hülsenfrüchte

Erbsen, Bohnen und Linsen enthalten besonders viel wertvolles Eiweiß. Zusammen mit ihrem Magnesium und Kalzium können sie Angstgefühlen entgegen wirken und tragen erfolgreich zur Entspannung bei.  

Naturjoghurt

Joghurt versorgt den Körper mit leicht verdaulichem Eiweiß. Vitamin B, Calcium und Magnesium sorgen für eine leichte und gesunde Nervennahrung. In Kombination mit leckerem Obst, wie Heidelbeeren, Erdbeeren Brombeeren oder Himbeeren entsteht im Handumdrehen ein leckeres Anti-Stress-Dessert.

Haferflocken

Hafer enthält gesunde langkettige und komplexe Kohlenhydrate, die über einen langen Zeitraum unser Gehirn mit Energie verorgen. Außerdem liefern die gesunden Flocken wichtige B-Vitamine und Magnesium zur Nervenstärkung. Haferflocken im gesunden Müsli ist hier sicherlich einer der top Tipps für einen guten Start in den Tag! Der Energieschub des Hafers hält lange vor und schützt wirksam vor Heißhungerattacken!

Nüsse 

Ein gut sortierter Nussmix oder Studentenfutter sind ebenfalls perfekte Gehirn- und Nervennahrung. Die Konzentration wird gesteigert und Müdigkeit vertrieben. Egal ob Walnüsse, Pistazien, Haselnüsse oder andere Nusssorten. Die recht kalorienreichen Energiespender enthalten große Mengen an nerven- und konzentrationsstärkendem Vitamin B und E, ferner Kalium, Magnesium, Phosphor, Kupfer, Eisen, Selen und Zink. Ein wahrer Beruhigungssnack ist die Paranuss mit ihrem sehr hohen Anteil an Selen. 

Fisch

Fettreiche Fischsorten, wie Lachs, Hering oder Makrele sind unter anderem reich an wertvollen Omega-3-Fettsäuren. Die positive Wirkung auf unser Gehirn und unsere Nervenzellen wurde oben bereits erläutert. Führende Ernährungsexperten raten daher zu zwei bis drei Fischmahlzeiten pro Woche.

Bananen

Bananen sind echte Glücksbringer :-) Sie enthalten viel Tryptophan, eine Aminosäure, die unser Körper zu dem Glückshormon Serotonin umwandelt. Dazu Vitamin B6 und die Mineralstoffe Magnesium, Kalium und Phosphor. Morgens im Müsli oder als Snack am Nachmittag ein hochkarätiger Nerven- und Energiespender.

Kaffee

Diese Information verwundert sicherlich viele Leser, aber es stimmt tatsächlich: Koffein in Maßen getrunken ist wirksam gegen Stress. Es blockiert die Bindungsstelle für die Substanz Adenosin, die für die Entstehung von Stresssymptomen bekannt ist. Wer nicht mehr als drei Tassen pro Tag trinkt, der leistet für sich einen nervenschonenden Beitrag.

 

Neben gesunder Ernährung spielt natürlich auch ein ausgeglichener Lebenswandel eine entscheidende Rolle bei der täglichen Stressbewältigung. Eine günstige Balance aus Arbeit, Familie & Freunde, Hobbies, Bewegung und Entspannung tragen zum Wohlbefinden von Körper, Geist und Seele bei.