Ein Leben in Reizüberflutung

Wenn wir nach Gründen für unseren zunehmenden täglichen Stress suchen, kommen wir um das Thema Smartphone und die Nutzung moderner Medien nicht herum. 2017 haben Personen über 14 Jahre in Deutschland täglich knapp vier Stunden täglich fern gesehen. Hinzu kommen werktags noch mehr als drei Stunden Radio und zweieinhalb Stunden Internet.

Das Smartphone: Unser unverzichtbarer Begleiter

Das Smartphone ist für die meisten von uns zum unverzichtbaren Begleiter geworden. Wir greifen im Schnitt alle paar Minuten zum Smartphone. Ich habe aktuelle Studien von 88 bis zu 214 Griffen zum Smartphone pro Tag gefunden. Diese große Spannbreite der Nutzung finden wir auch in unserem Umfeld. Vielnutzer kommen locker auf über drei Stunden Handygebrauch pro Tag. Aber warum ist das Handy so reizvoll für uns? 

Kaum ein anderes Medium kann unsere individuellen Wünsche und Bedürfnisse so schnell und vielfältig befriedigen, wie das Smartphone oder das Internet. Fast alles ist mit dem Smartphone heute schon möglich: Kommunizieren, verabreden, informieren, fotografieren, shoppen, banking, streamen und Filme schauen, Musik hören, spielen oder Social Media. Die Liste der Möglichkeiten wird täglich länger.

Bei der Nutzung werden biochemische Prozesse ausgelöst und Glückshormone wie Dopamin und Serotonin ausgeschüttet. Wir fühlen uns wohl. Und wir wollen immer mehr davon. Wartezeiten werden zu Smartphone-Zeiten. 

Allerdings ist das Nichts tun oder mal die Seele baumeln lassen extrem wichtig für den Menschen. Sie sind Voraussetzung für Kreativität und neue Motivation. Die wichtigsten Erfindungen sind nicht in emsiger Betriebsamkeit, sondern in Ruhezeiten entstanden.

Wir benötigen neben Phasen der Aktivität auch regelmäßige Phasen der Erholung und Entspannung. Diese Phasen fallen leider sehr häufig dem Smartphone zum Opfer. 

Das Smartphone beeinflusst unsere Arbeitsqualität

„Je häufiger wir auf das Smartphone schauen, desto unproduktiver werden wir“ sagt Professor Montag von der Universiät Ulm. Er hat mit seinem Team rund 100.000 Apps ausgewertet, die die tägliche Nutzung der Smartphones aufzeichnen.

Wir schauen viele Male in der Stunde auf unser Smartphone und teilen so unsere verfügbare Zeit in viele kleine Abschnitte. Wirklich produktives Arbeiten an einer großen Aufgabe ist so kaum möglich, da wir immer wieder gedanklich herausgerissen werden. Konzentration und auch Kreativität leiden massiv.

Nach jeder Störung braucht das Gehirn einige Minuten, um die Konzentration auf die Sache wieder herzustellen. In dieser Zeit haben viele Nutzer schon längst ein weiteres Mal auf ihr Handy geschaut. 

Die Studien zeigen ferner, je näher wir das Smartphone bei uns ist, desto abgelenkter sind wir. Im drei Untersuchungen wurde das Handy einmal offen neben sich auf dem Tisch platziert, einmal in der Tasche neben sich aufbewahrt und zuletzt ganz aus dem Raum entfernt.

Ergebnis:: Je näher das Handy bei uns ist, desto größer ist die Bereitschaft, regelmäßig drauf zu schauen. Klingt logisch, allerdings mit nachhaltigen Konsequenzen für unseren Stresslevel. Wichtige regenerative Ruhepausen und Selbstreflexion fallen weg. 

Selbstmanagement ist gefragt

Ich empfehle einen bewussten Umgang mit dem Smartphone und den modernen Medien und diese individuell auf ein gesundes Maß zu reduzieren.  Zeitmesser Apps wie Menthal oder Moment messen Ihre individuelle Nutzung und können Sie bei dieser Aufgabe unterstützen. Nachfolgend finden Sie Tipps, die Ihnen bei Selbstmanagement helfen können.

Als Ausgleich zu Online-Zeiten empfehle ich regelmäßige Offline-Zeiten. In der Mittagspause und ab einer bestimmten Zeit in den Abendstunden. Das Schlafzimmer möglichst als reinen Ruheraum nutzen. Ohne elektronische Strahlung oder störende Lichtquellen. Diese beeinflussen die Produktion des Ruhe- und Erholungshormons Melatonin, welches maßgeblich für einen gesunden Schlaf und die Aktivierung der biologischen Selbstheilungskräfte während der Nacht verantwortlich ist.

  

Sechs Tipps für einen bewussten Umgang mit dem Smartphone

  1. Kaufen Sie sich einen Wecker und lassen Sie das Handy aus Bad und Schlafzimmer
  2. Starten Sie offline in den Tag: vom Aufstehen, über das Bad bis zum Frühstück
  3. Eine Stunde vor dem Schlafengehen kein Handy und Internet für besseres Einschlafen
  4. Richten Sie regelmäßige Offline-Zeiten ein: abends, unterwegs oder im Urlaub
  5. Checken Sie Nachrichten und E-Mails nur zu individuell festgelegten Zeiten
  6. Legen Sie das Handy auch mal ganz weg oder machen es aus.

 

Finden Sie Ihre individuell optimale Nutzung des Smartphones. Es hilft in der Regel, sich einmal bewusst mit dem Thema zu beschäftigen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

 

 

Mit Energie durch die Winterzeit


Die Tage werden kürzer und an einem richtig trüben oder regnerischen Wintertag fällt es manch einem schwer, sich von der gemütlichen Couch zu lösen. Auch die Natur zieht sich zurück und ist mit deutlich weniger Kraft unterwegs als noch im Sommer. Auch wir Menschen sind Teil der Natur und dürfen uns, wenn es die Zeit erlaubt, gerne auch mal der Wintermuße hingeben. 

Andererseits sind viele unserer Lebensbereiche gerade im Winter auf Hochtouren unterwegs. Zahlreiche Branchen haben Hochkonjunktur und wir benötigen Kraft und Energie, um die täglichen Aufgaben erfolgreich zu bewältigen. Welche Energiequellen können wir dafür anzapfen?

 

Zehn Praxistipps für Deinen Wintertag 

Gesunder Schlaf

Unser Nachtschlaf ist die natürliche Basis für unsere Fitness am Tage. Wenn wir nicht auf unseren Schlaf achten, helfen auch die weiteren Energietipps wenig. Wir benötigen Schlaf für Erholung, Regeneration und die Verarbeitung von Gelerntem oder Erlebtem. Die durchschnittliche Schlafdauer liegt bei ca. 7 Stunden. Neben der individuellen Länge -ca. 5-9 Std.- ist die Schlafqualität entscheidend. Schaffe Dir eine behagliche Atmosphäre, die Deine Nachtruhe unterstützt. Beruhigende Abendrituale oder ein kurzer Gang um den Block können sich positiv auf das Einschlafen auswirken.

Kurze Pausen erhalten Leistungskraft

Erholt arbeiten wir konzentrierter, kreativer und fehlerfreier. Richtig eingesetzte Pausen erhöhen unsere Leistungsfähigkeit, denn wir arbeiten anschließend schneller und konzentrierter. Regelmäßige Auszeiten von nur 5 Minuten pro Stunde halten uns fit. Wichtig: Gönne Dir Pausen, bevor Müdigkeit und Konzentrationsschwäche einsetzen. Nutze die Auszeit für einen kurzen Spaziergang, einen Plausch mit Kollegen oder eine kurze Entspannungsübung. Keine Erledigungen zwischendurch! Eine Pause ist nur dann effektiv, wenn sie der Erholung dient. Das bringt die Kraft schnell wieder zurück.

Power Napping gegen das Mittagstief

Auch der moderne Power Nap von 10 - 20 Minuten im Mittagstief gilt als gesunde Grundlage für einen vitalen Neustart am Nachmittag. Das Bedürfnis nach einer kurzen Mittagsruhe ist Teil unserer biologischen Natur. Es geht dabei weniger um den Schlaf als um das Ausruhen. Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Leistungsfähigkeit steigen danach deutlich messbar an. Der berühmte Heißhunger am Nachmittag wird weniger und die Stimmung steigt durch die Produktions des Glückshormons Serotonin.

Lebe in Deinem Rhythmus  

Bist Du eine Lärche oder eine Eule? Bist Du morgens als erster im Büro oder machst Du gerne Frühsport? Oder kommst Du erst am Tag richtig auf Touren und hast abends noch lange Schwung? Wir haben Alle eine innere Uhr, die beachtet werden möchte. Denn jede Abweichung von unserem natürlichen Biorhythmus bringt uns aus dem Takt und raubt uns Energie. Gehe Deinen Tag gedanklich einmal durch und schaue, zu welchen Zeiten Dein Energielevel am höchsten ist. Nutze diese Hauptenergiephasen für Deine wichtigsten Tagesaufgaben. Die Phasen mit wenig Energie können wir dagegen hervorragend für Routineaufgaben oder ein kreatives Brainstorming nutzen.

Licht und frischen Sauerstoff tanken

Sonne ist ein wichtiger Energielieferant. Dabei bringt sogar ein trüber Wintertag ca. 1o mal mehr so viel Sonneneinstrahlung wie der Aufenthalt in einem beleuchteten Raum. Die Empfehlung lautet: Täglich 30 Minuten raus an die frische Luft! Die ideale Zeit für einen Aufenthalt im Freien ist die Mittagszeit mit den besten Lichtverhältnissen. Die Sonne schenkt uns Energie und die Produktion des Glückshormons Serotonin wird angeregt. Die Stimmung steigt an und der Winterblues darf jetzt gehen. Der frische Sauerstoff sorgt für einen klaren Kopf und steigert unsere Konzentration. Gleichzeitig wird die Produktion von Vitamin D über die Haut und Augen angeregt. Vitamin D stärkt unsere Knochen und unser Immunsystem und schützt uns vor zahlreichen Krankheiten.

Wellness für Körper, Geist und Seele 

Ein entspannter Saunabesuch im Winter ist eine wahre Wohltat. Denn ein Schwitzbad bekämpft erfolgreich den Stress des Alltags. Wechselduschen, schwimmen, Whirlpool oder eine Entspannungsmassage komplettieren den wohltuenden Wellnesstag. Wellness wirkt auf Körper und Seele gleichermaßen. Die körpereigenen Abwehrkräfte werden durch die wechselnden Temperaturreize stimuliert. Zugleich kommt der Geist inmitten des hektischen Alltags zu einer verdienten Ruhepause.

Zeit für Vitalität mit Genuss

Eine ausgewogene Ernährung ist in den Wintermonaten sehr wichtig. Achte auf eine ausreichende Zufuhr von Vitalstoffen mit den wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen. Insbesondere die Vitamine C und E stärken unser Immunsystem und schützen uns vor freien Radikalen. An den dunklen Tagen haben wir allerdings auch mehr verlangen nach Süßem wie einem Stück Schokolade. Glücksforscher bestätigen, dass dabei unser Belohnungssystem im Gehirn aktiviert wird. Das schenkt uns ein gutes Gefühl. Und was wäre die Weihnachts- und Winterzeit ohne ein süße Belohnung ohne Reue!

Wer rastet der rostet

Bleibe auch während der kalten Jahreszeit in Bewegung. Sport und Bewegung fördern die Durchblutung und bringt den Kreislauf in Schwung. Das Immunsystem wird gegen Infektionskrankheiten gestärkt. Am Besten ist die Kombination aus Bewegung und frischer Luft. Ein Spaziergang oder Nordic Walken im Wald oder ein Gang über den Weihnachtsmarkt. Im Büro können wir die Treppe anstelle des Aufzugs nutzen. Es gibt viele Möglichkeiten, den Kreislauf im Alltag erfolgreich in Schwung zu halten. Sport und gesunde Bewegung im Winter ist ganz sicher ein Toptipp!

Soziale Kontakte heben die Stimmung

Pflege Deine Freundschaften und sozialen Kontakte. Wir schöpfen enorm viel Kraft aus Begegnungen mit netten Menschen. Wir erleben schöne Momente, die wir mit anderen teilen dürfen. Gute Gespräche bringen uns auf andere Gedanken und neue Ideen! Wenn es uns nicht gut geht, erfahren wir bei einem Kaffee oder einem guten Telefonat Trost und Aufmunterung. Soziale Kontakt wirken positiv auf unser Hormonsystem. Daher fasse Dir ein Herz, runter von der Couch und und rein in die gesellige Runde! 

Weitere :-) Tipps gegen den Winterblues

Drehe Deine Lieblingsmusik auf die richtige Lautstärke und singe lauthals mit! Klingt etwas schräg? Macht gar nichts :-) 

Wie wäre es heute mit mit einer kurzen Auszeit bei einem heißen Tee, einem schokoladigen Kakao und einem leckeren Kaffee oder Cappuccino :-)

Gemeinsam Plätzchen backen mit der ganzen Familie! Genuss, gemeinsame Aktivität und Geselligkeit in einem Paket :-)

Dekoriere Deine Wohnung bunt oder streiche eine Wand mit einer leuchtenden Farbe. So hellst Du Dir den heimischen Winter auf :-)

Plane Deinen nächsten Urlaub! Und erfreue Dich an den Fotos von Palmenstränden oder schneebedeckten Bergen. Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude :-)

Vielleicht ist Dir beim Durchlesen ja auch noch eine eigene gute Idee aufgekommen?

Auf geht's :-) und viel Spaß!

 

 

 

Unser Leben im Gleichgewicht

 

Wir leben in einer Welt, die sich täglich neu erfindet. Mit kurzen Produktzyklen und ständig neuen Informationen. Und glauben wir den Worten von Steve Jobs, dem Gründer von Apple, wird sich das so schnell auch nicht mehr ändern. Das Tempo dürfte sich sogar noch steigern und wir stellen fest: Zahlreiche Menschen bleiben bei diesem Tempo irgendwo auf der Strecke liegen. Kommen einfach nicht mehr mit. Suchen nach Orientierung.


Ein Leben im Gleichgewicht

Mich selbst interessiert und fasziniert an dem Begriff Work-Life-Balance am meisten das abschließende Wort „Balance". Was in Balance ist, das ist im Gleichgewicht. In innerer und äußerer Stabilität, in Harmonie, in Ausgeglichenheit. Nicht einseitig belastet. Nicht gestresst! Nicht unter Druck! Mit einer längeren Lebenserwartung.

„In Balance sein" können wir auf viele Lebensthemen ausweiten: Auf die Arbeit, Familie, Freizeit, Freunde, Finanzen, Bewegung & Sport, Leistung vs. Entspannung + Schlaf, gesunde Ernährung, innere Stabilität... Oder auf die eigenen Lebensziele: „Was will ich im Leben noch erreichen?“ Übertragen auf unsere Motivation: „Wofür brenne ich?“ So manch Fragender stellt dann fest, dass das inneres Feuer nicht mehr so stark lodert wie früher. Diesen Menschen empfehle ich eine Neuorientierung. Einen Reset!

Wir merken, dieses Thema ist vielschichtig und kommt mit den richtigen Inhalten nicht so schnell aus der Mode. Seine persönliche Work-Life-Balance herzustellen ist eine
komplexe und täglich spannende Herausforderung. Eine Aufgabe, die viel über uns selbst verrät. Verbunden mit einem bewussten Lebensstil und persönlicher Achtsamkeit. Achtsamkeit für uns selbst und auch für unsere Mitmenschen! Dies führt uns dauerhaft zu einem authentischen und erfüllten Leben, verbunden mit sehr viel Lebensfreude.


Diese Wertekombination hält uns in der Spur

Im einem weiteren Blogbeitrag lesen wir, dass zahlreiche Menschen ihre persönliche Balance nicht mehr erfolgreich herstellen können. Sie scheiden im Alter von unter 50 Jahren dauerhaft aus ihrem Berufsleben aus. Der Grund: Psychische Krankheiten, wie Depression oder Burnout. Bei einer Lebenserwartung von 80 oder 90 Jahren bleibt da noch viel Zeit übrig. Zeit auf der Couch und vor dem Fernseher? Für mich keine schöne Vorstellung. Es gilt daher, rechtzeitig gegen zu wirken!

Wir leben wir in einer Gesellschaft, die sich immer schneller entwickelt, Berufe immer technischer werden und Informationen realtime um die Welt gehen. Das Leben selbst ist ebenfalls eine Entwicklung. Unsere Persönlichkeitsentwicklung. Eine Reise! Wer Stillstand erfährt und nicht mutig mit dem Leben mitschwingt, gerät ins Hintertreffen. Daher öffne Dich dem Neuen! Erfolg, Glück und Gesundheit werden es Dir danken! 

Solange wir andererseits aus Zitaten von Mark Twain, Konfuzius oder Albert Einstein noch viel für ein erfülltes und ausgeglichenes Leben lernen können, empfehle ich, ein neues modernes Gleichgewicht anzustreben. Die Balance aus traditionellen Werten, wie Geduld oder Freundlichkeit, die uns als Mensch immer begleiten werden und innovativen Werten, die unser Berufs- und Privatleben in die weitere Zukunft tragen werden. Diese Kombination hält uns wachsam und flexibel, um erfolgreich die weitere Entwicklung anzugehen. 

Es ist eine lohnenswerte Aufgabe, sich täglich um die persönliche und individuelle Balance zu kümmern. Mit erhöhtem Bewusstsein und gesteigerter Achtsamkeit für seine Wünsche, Bedürfnisse und Lebensziele.

 

 

Die Kunst, NEIN zu sagen

„Die Fähigkeit, das Wort Nein auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit“
Nicolas Chamfort

 

Sich besser abzugrenzen, entschiedener zu leben - leichter Ja oder auch Nein sagen zu können - ist erlernbar. Es ist Trainingssache! Und nicht für Jeden eine leichte. Als Zutaten dazu gehören Eigenverantwortung, Selbstakzeptanz und eine Portion Mut. 

Entscheidungen bedeuten immer auch Entbehrungen. Wenn wir keine Grenzen ziehen, zahlen wir einen hohen Preis. Dann ziehen nämlich Andere die Grenzen für uns. Ich habe viele Menschen getroffen, die es Anderen lange Zeit recht gemacht haben, ohne jemals auf die eigenen Kräfte und Bedürfnisse zu schauen.

NEIN sagen können ist ein wichtiger Selbstschutz. Wenn Du es Anderen recht machst, achte darauf, dass Du dich selbst nicht vergisst.

 

Die Sorgen vor dem NEIN

Menschen scheuen das NEIN wegen der erwarteten Folgen. Von anderen abgelehnt zu werden oder etwas zu verlieren. Den Job, den Partner oder eine Freundschaft. 

Als Kind haben Viele von uns schmerzlich erfahren, was es bedeutet, gegenüber den Eltern selbstbewusst und ungehorsam NEIN zu sagen. Viele haben nur Anerkennung und Wertschätzung erfahren, wenn sie ein braves und angepasstes Kind waren, das den Forderungen der Eltern nachgab.

In der Folge tun sie sich als Erwachsener immer noch schwer, Grenzen zu setzen. Doch dieser Schritt ist wichtig. NEIN zu sagen schützt uns dauerhaft davor, uns zu überfordern oder von Anderen ausgenutzt zu werden. 

Natürlich bedeutet der Hinweis auf eine gesunde Abgrenzung nicht, dass wir jetzt alles ablehnen sollen, was an uns herangetragen wird. Es geht um einen bewussteren Umgang mit unseren Entscheidungen - im Einklang mit unseren Interessen und den Interessen unserer Mitmenschen.

 

Die Gedanken vor dem NEIN

  • Der Andere lehnt mich ab! Ich möchte mir seine Sympathie erhalten.
  • Der Andere hält mich für unfreundlich, herzlos und egoistisch.
  • Mein schlechtes Gewissen plagt mich. Ich sollte der Bitte nachkommen.
  • Der Andere wird enttäuscht, verärgert und verletzt sein. Und ich bin schuld.
  • Ich lasse den anderen im Stich. Mit diesem Schuldgefühl komme ich nicht klar.
  • So wichtig bin ich auch nicht. Ich ordne mich lieber unter und wahre den Frieden.
  • Wenn ich meine Wünsche klar äußere, dann verliere ich den Menschen / den Job.

 

Du wirst überrascht sein, dass der Andere die Absage häufig gar nicht so negativ aufnimmt, wie befürchtet. In den meisten Fällen führt ein NEIN dazu, dass die Achtung des Gegenübers Dir gegenüber ansteigt. Ja-Sager stehen nicht hoch im Kurs. Eine gesunde Selbstachtung führt dagegen zu mehr Respekt. Und wer sich dennoch von Dir abwendet, hat sicherlich schon viel zu lange auf Deine Kosten gelebt.

Bedenke, Du bist nicht egoistisch oder falsch, wenn Du in Einklang mit Deinen natürlichen Bedürfnissen stehst. Es ist Dein Recht, Dich für Deine Wünsche und Bedürfnisse einzusetzen. Denn Deine Ressourcen, Zeit und Energie sind begrenzt.

Übernehme Verantwortung und entscheide selbst, wofür Du Zeit und Energie einsetzt. Auf unserem täglichen Weg laueren viele Zeit- und Energieräuber, denen wir unsere wertvolle Zeit schenken können. 

 

10 Tipps für mehr Entschiedenheit und eine bessere Abgrenzung

  1. Unterstreiche Dein NEIN mit eindeutiger Körpersprache und fester Stimme. Trete selbstbewusst auf und übe vorher gerne vor dem Spiegel.
  2. Beginne Dein persönliches Training mit Entscheidungen ohne große Tragweite. Zum Beispiel am Wochenende: "Nein, ich komme heute Abend nicht mit in die Kneipe! Ich bleibe zu hause und erhole mich von der anstrengenden Woche."
  3. Der Lernprozess wird meistens von Schuldgedanken und mulmigen Gefühlen begleitet. Wir haben schließlich jahrelang anders gehandelt. Sei Dir dessen einfach bewusst und zeige Verständnis für Deine Reaktionen.
  4. NEIN sagen bedeutet: eindeutig und zum richtigen Zeitpunkt. Vermeide lange Erklärungen und Rechtfertigungen. Das schwächt nur Deine Position.
  5. Lerne, dass Deine wahre Stärke von innen kommt. Mache Dich unabhängiger von der Anerkennung und dem Applaus der Anderen. Auch wenn es schwer fällt.
  6. Wer in Entscheidungssituationen Unruhe verspürt, sollte sich Zeit für seine Entscheidung verschaffen und erst einmal tief durchatmen. Ein innerlich erstarrter Mensch ist kaum in der Lage, selbstbewusst für sich einzustehen. 
  7. Übe Dich darin, zu Deinen Entscheidungen zu stehen! Ohne auf die Meinung der Anderen zu schauen. Das verschafft Dir innere Festigkeit und Stabilität.
  8. Ob Du Dich entscheidest oder nicht - beides hat Konsequenzen. Wer nicht selbst für sich entscheidet, für den wird entschieden.
  9. Lerne mutig Entscheidungen zu treffen und zögere diese nicht zu lang hinaus!
  10. Langfristig machen uns in der Regel nicht unsere Fehlentscheidungen unglücklich, sondern unsere verpassten Chancen im Leben. Mach Dir Deine Ziele klar, dann fallen Dir Entscheidungen leichter.

 

Gerade für Menschen, die andere gerne unterstützen und Harmonie im Team lieben, ist die Abgrenzung über ein NEIN eine sehr große Herausforderung. Doch in fordernden Zeiten mit Burnout und Überforderung ist es zunehmend wichtig, zu seinen Rechten, Wünschen und Bedürfnissen zu stehen. Hier gilt es, sich auf eine gesunde Art abzugrenzen. Denke daran, Deine verfügbare Zeit und Energie sind wertvolle und knappe Güter, die es sorgfältig einzuteilen gilt.

 

 

Burnout und Psyche: Daten & Fakten


Jährlich werden aktuell durch Burnout, Depression und andere psychische Krankheiten weit über 60 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage registriert. Das bedeutet einen Anstieg um mehr als 80 Prozent seit dem Jahr 2000. Psychische Erkrankungen gehören nicht nur zu den häufigsten Erkrankungen, ihre Behandlung ist zudem eine der teuersten. Mittlerweile stellen sie den Nr.1 Grund für Arbeits- und Berufsunfähigkeit dar.

Über 13 Millionen Arbeitnehmer sind nach Schätzungen der Krankenkassen von Burnout betroffen. Interessant für jeden Arbeitgeber: Ein Burnout verursacht nach Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich im Durchschnitt über 30 Krankheitstage. Die dadurch entstehenden Produktions- und Dienstleistungsausfalle in Deutschland beziffern Experten auf über 70 Milliarden Euro.

Jeder dritte Arbeitnehmer arbeitet an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Und bereits jeder fünfte Berufstätige leidet unter den gesundheitlichen Folgen von Stress mit seinen unterschiedlichen Symptomen.  

Über 40 Prozent aller Neurentner gehen nicht aus Altersgründen, sondern wegen verminderter Erwerbsfähigkeit durch psychische Störungen in Ruhestand. Psychische Belastungen sind damit inzwischen Ursache Nummer eins für Frühverrentungen. Das Durchschnittsalter liegt dabei unter 50 Jahre. 


Welche Berufsgruppen sind besonders gefährdet?

Engagierte Manager und Führungskräften mit hoher Personal- und Zielverantwortung gehören nach wie vor zum stark gefährdeten Kreis. Die Anforderungen an diese Entscheidungsträger sind in den letzten Jahren sogar noch weiter angestiegen. Allgemein lassen sich Arbeitnehmer mit dauerhaft hohen Leistungsanforderungen und längeren Zeiten der Überforderung überdurchschnittlich häufig krankschreiben.

Gefährdete Berufsgruppen sind Ärzte, Kranken- und Altenpfleger, Rettungssanitäter und Geburtshelfer, da diese im täglichen Berufsalltag mit zwischenmenschlichen Extremfällen umgehen müssen. Hier ist es besonders wichtig, sich nach Feierabend vom Tagesgeschehen abzugrenzen und die Batterien für den nächsten Tag wieder aufzuladen. Zu dieser Gruppe gehören ebenso Erzieher, Lehrer und Sozialarbeiter.

Auch Berufsgruppen mit extremen zeitlichen Anforderungen, wie sie bspw. in der Gastronomie vorkommen können, sind gefährdet. Hinzu kommt gerade bei Frauen häufig eine Doppelbelastung aus Beruf und Familie.


Nicht der kurzfristige Stress ist entscheidend

Burnout wird durch dauerhafte Belastungs- und Stresssituationen ausgelöst. Der Berg an Arbeit kann oftmals nicht mehr abgearbeitet werden und es entsteht ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Ein Durchatmen nach erfolgreicher Tätigkeit scheint nicht mehr in Sicht. Erste Symptome auf dem Weg zum Burnout sind stark wechselnde Stimmungen, zunehmende Gereiztheit, eine zunehmende Unzufriedenheit und eine schwere dauerhafte Müdigkeit, die auch nach einem Nachtschlaf nicht verschwindet.

Wer jetzt nicht reagiert, für den reagiert unser Körper mit körperlichen und psychischen Symptomen, die bei Nichtbeachten letztendlich im Burnout münden können. 

Leider reagieren die meisten Menschen erst, wenn es bereits zu spät ist. Die eigene Gewissenhaftigkeit und auch Existenzängste treiben uns immer weiter an. Lassen Sie es nicht soweit kommen und reagieren Sie rechtzeitig! Denn ohne eine gesunde Leistungsfähigkeit ist auch keine große Leistung möglich. Unter den Folgen leidet die Gesundheit, das eigene Umfeld und die Lebensfreude bleibt auf der Strecke. Eine gesunde und erfolgreiche Work-Life-Balance ist daher immer eine Win-win-Lösung!

Quellen: TK Gesundheitsreport & KKH-Allianz / WHO & Stressreport Deutschland / EMNID / Deutscher Managerverband DMV